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Unser "Treffen" mit der Roten Kapelle und Hans Coppi

Als unsere Klasse 10a am 18.1.22 um 14 Uhr bei gutem Wetter an der Schule aufbricht, wissen wir von unserer Deutschlehrerin Frau Mnich, dass wir uns mit dem Widerstand im Nationalsozialismus beschäftigen werden.
Nach einigen Startschwierigkeiten - das Ticket eines Schülers ist ungültig - kommen wir an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in der Stauffenbergstraße an. „Hier fand auch die Verabschiedung von Angela Merkel statt“, merkt eine Mitschülerin an.

Wir betreten den Bendlerblock und unsere Blicke fallen im Treppenhaus auf die Fotos zahlreicher Widerstandskämpfer. Die Stauffenbergstraße ist nach dem Offizier der deutschen Wehrmacht benannt, der im Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler verübte. Dieser Umsturzversuch gilt als der bedeutendste des militärischen Widerstands. Bereits fünf Jahre zuvor hatte es einen Anschlag auf Hitler und hohe NS-Funktionäre gegeben, der von dem Tischler Johann Georg Elser geplant und ausgeführt wurde. Er baute Sprengstoff in die Säule des Münchener Bürgerbräukellers ein, unter der Hitler jährlich eine Rede hielt. Weil es in München an jenem Tag neblig war, musste Hitler München früher verlassen und der Anschlag traf andere Besucher der Veranstaltung.

Es ist leise, die Gruppe tauscht erschütterte Blicke aus. Wir sind erstaunt, welchen Einfluss kleinste Faktoren auf große Geschehen ausüben können. „Hier in diesen Räumen haben NS-Funktionäre und der Reichskanzler Besprechungen abgehalten“, wird uns bei der Führung durch die Ausstellung berichtet, und ein Raunen geht durch den Raum. Wieviel Geschichte um uns herum ist und dass wir ein Teil davon sind, wird uns erst jetzt bewusst.

Es ist draußen dunkler geworden, der Himmel ist bewölkt. Die bedrückte Stimmung wird dadurch ein wenig erheitert, dass wir uns mit Süßigkeiten in der Pause eindecken. Wir bilden kleinere Gruppen, in denen wir uns intensiver mit Widerstandsgruppen und -bewegungen beschäftigen. Jede Gruppe sucht sich einen Raum in der Ausstellung, den wir zuvor noch nicht besucht haben, und beschäftigt sich mit den Bildern und Texten sowie Personen und Dokumenten. Dann tragen wir unsere Ergebnisse über den Widerstand von Jugendlichen, den Widerstand im Kriegsalltag und die Weiße Rose vor.

Besonders prägend ist die Darstellung über die "Rote Kapelle", zu der die Namensgeber unserer Schule Hans und Hilde Coppi gehörten. Sie haben kaum drei Jahre zusammen leben können, bevor sie ihren Mut im Widerstand gegen das schreckliche Naziregime mit dem Leben bezahlen mussten. Ihr Sohn, der im Gefängnis geboren wurde, war erst wenige Monate alt, als seine Eltern in Plötzensee hingerichtet worden sind. Es gibt nicht mal ein gemeinsames Foto von ihnen und auch ein Grab haben sie nicht.

Der Respekt, den wir empfinden, wenn wir ihre Namen hören oder lesen oder an der Büste von Hans Coppi im Foyer unserer Schule vorbeigehen, wurde verstärkt. Unsere Klasse ist der Meinung, dass ein Besuch in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand sehr zu empfehlen ist. Wir haben gelernt, den Frieden, in dem wir aufwachsen können, wertzuschätzen. Es ist uns bewusster geworden, was andere Menschen dafür geopfert haben.

Dies merken wir erneut, als Dr. Hans Coppi junior, der Sohn von Hans und Hilde Coppi, unsere Schule besucht. Die Veranstaltung, die von den Klassen 10c und 10d besucht wird, findet anlässlich des 106. Geburtstages von Hans Coppi am 25. Januar 2022 statt. Dr. Hans Coppi erzählt über das Kennenlernen seiner Eltern, als sein Vater seiner Mutter Hilde Rake am Neujahstag 1940 begegnet, über ihre illegale Arbeit, ihre Verhaftung und Hinrichtung. Es ist totenstill in unserer kleinen Aula. Er berichtet vom seinem Aufwachsen bei den Großeltern und seiner Schulzeit in Karlshorst in unserem Schulgebäude. Außerdem zeigt der Historiker Bilder seiner Eltern und erläutert seine Recherchen über sie sowie die „Rote Kapelle“ in Moskau. Beeindruckt hat uns die Klarheit seiner Worte in einem Vortrag, der wohl alle Anwesenden berührt hat.

Text: Elise Marie Bellmann und Milena Marie Leser, Klasse 10a

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