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Bericht über den Wandertag der Klasse 10b am 10.12.2021

 

 

Neun Uhr morgens in Berlin. Die Stadt ist mit Schnee bedeckt, es schneit, und es scheint, als hätten wir sie ganz für uns allein. Wir befinden uns an unserem ersten Ziel, der Neuen Wache. Als endlich alle aufmerksam sind, beginnt Henry mit seinem Vortrag. Er erzählt uns über die Geschichte der „Neuen Wache“ und erläutert, wieso sie so einen wichtigen Platz in Vergangenheit und Gegenwart hat. Wir schießen Fotos von der mit Schnee bedeckten Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ von Käthe Kollwitz und bewundern sie.

Wir wollen zum nächsten Ziel aufbrechen, als der erste Schneeball fliegt. Ein paar Köpfe drehen sich, da fliegt schon der nächste. Ehe man sich versieht, ist die ganze Klasse in eine Schneeballschlacht verwickelt. Frau Tischler und Frau Mnich beobachten das Geschehen belustigt und warten, bis sich die 10b wieder sammelt, um konzentriert und als geschlossene Klasse zu dem nächsten Mahnmal zu gehen.

Um 9:30 erreichen wir das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung. Auch hier wird uns durch einen informativen Vortrag, diesmal von Anni, berichtet, wie es zu diesem Denkmal kam und was es mit den Bücherregalen auf sich hat. Wir sehen leere Bücherregale unter einer Glasplatte im Erdboden, in denen so viele Bücher gestanden hätten, wie verbrannt worden sind. Es ist für uns nur schwer nachvollziehbar, dass Studenten und Professoren eigenhändig schon 4 Monate nach Hitlers Machtergreifung die Bücher auf den Scheiterhaufen schleppten. Auf dem Weg zu einem weiteren Punkt auf unserer Liste gehen wir durch das Gebäude der Humboldt- Universität. Ein wunderschöner Anblick, der nicht nur den Schülern warme Füße und einen erstaunten Blick bereitet, sondern auch die Herzen unserer beiden Lehrerinnen erwärmt, die ehemals hier ihr Studium absolvierten. Nun aber rasch weiter. Unseren nächsten Halt machen wir bei einem Mahnmal im hinteren Flügel der HU aus DDR-Zeiten. Hier wurden Namen von Studenten und Professoren der Humboldt Universität aufgereiht, welche hingerichtet wurden. Frau Mnich berichtet uns in einem kurzen, aber lehrreichen Vortrag darüber.

Anschließend stürmen wir erneut aufeinander zu, um uns mit Schneebällen zu bewerfen. Ein Ball fliegt nach dem anderen und trotz durchnässter Handschuhe und frierender Finger gibt es keinen Stopp. Schnell weiter zu dem letzten Mahnmal, das wir heute besuchen. Nach einem kurzen Fußmarsch sind wir da. In der Friedrichstraße fängt der Schnee schon an zu schmelzen, und auch die Stadt füllt sich immer mehr mit Menschen. „Züge in das Leben - Züge in den Tod“, so lautet das letzte Denkmal, welches wir nun betrachten. Das Kinderdenkmal ist umgeben von uns. Jeder hält eine weiße Rose in der Hand. Wo vorher Freude und Schneeballschlacht in den Köpfen war, sind jetzt Anspannung und ein Hauch von Trauer in den Augen zu sehen. Chris tritt vor und offenbart die Vergangenheit, die sich hinter dem Denkmal verbirgt. Alle lauschen seinen Worten und hören aufmerksam zu. Anschließend legt jeder Einzelne von uns seine Blume in die Hände der dargestellten jüdischen Kinder. Die Passanten bleiben stehen und sehen uns interessiert zu. Ein Schüler sagt: „Schaut mal da! Da, bei dem Kind. Dort läuft ein Wassertropfen das Gesicht hinunter...das sieht aus wie eine Träne.“ Das aufgetaute Wasser, welches nicht nur von den Dächern plätschert, rinnt auch an den Statuen entlang. Es fließt Stück für Stück, Tröpfchen für Tröpfchen langsam an den Gesichtern der Statuen entlang. Ein Moment, den wohl keiner so schnell vergessen wird. Und mit diesem Ausspruch des Schülers endet auch der Wandertag.

Unsere gemeinsamen Stunden verbrachten wir nicht nur mit dem Ablaufen der Erinnerungsorte. Wir verbrachten sie vor allem gemeinsam. Wir teilten viele emotionale Momente; Nicht nur glückliche, spaßige, sondern vor allem auch angespannte und traurige. Stunden, die sich gelohnt haben. Stunden, welche sowohl informativ als auch interessant waren. Stunden, bei denen wir trotz dicker Sachen sehr gefroren haben, Stunden, bei denen die 10b eine Gemeinschaft war.

Alina M., Henriette W., Kl. 10b

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