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Zu Besuch bei Bertolt Brecht und Helene Weigel

Am Dienstag, dem 8. November 2022, fuhren wir mit unserer Deutschlehrerin Frau Mnich am Nachmittag bei allerschönstem Herbstwetter in das Brecht-Haus in der Chauseestraße 125, 10115 Berlin.

Der Seitenflügel dieses alten Hauses, das 1843 erbaut wurde, war ab 1953 Bertolt Brechts und Helene Weigels Wohnort in Berlin. Anlässlich Brechts 80. Geburtstages am 10. Februar 1978 wurde diese Wohnung für die Öffentlichkeit freigegeben. Sie beherbergt das Brecht-Weigel-Museum, Archive zu Weigel und Brecht sowie das Literaturforum. Wir behandeln gerade im Unterricht „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Brecht, kennen dementsprechend schon eins seiner Werke und haben am Ende des vergangenen Jahres sein Gedicht "Fragen eines lesenden Arbeiters" analysiert. Nun waren wir gespannt auf die Führung.

Brecht und seine Frau wohnten zusammen in dieser Wohnung, jedoch war ihre Beziehung eine besondere, weshalb auch jeder seinen eigenen Freiraum brauchte. Uns wurde bei der Führung die Lebensgeschichte dieses Künstlerehepaares erzählt. Wir konnten drei Räume im Originalzustand besichtigen. Zuerst waren wir im kleinen Arbeitszimmer mit einem imposanten Bücherregal, zwei Stühlen und einem Tisch zur rechten Seite sowie einem großen Tisch mit einer Schreibmaschine und zwei Stühlen. Wir erfuhren, dass Brecht ein Frühaufsteher wie aus dem Bilderbuch war: Er trank um 6 Uhr morgens seinen ersten Kaffee, damit er seine Arbeit früh erledigen konnte, um gegen 10 Uhr zum Berliner Ensemble zu fahren. Der kurze Weg zu seinem Theater war einer seiner Beweggründe für seinen Einzug in die Wohnung, andere waren auch die Nähe zur Akademie und die historischen Friedhöfe. Ebenfalls war die Wohnungsgröße perfekt für Brecht, da es ihm genug Platz für Arbeitstische und Raum für Gespräche mit seinen Schülern bot. Seine Nachlassbibliothek mit ca. 4000 Bänden, die Benutzern des Bertolt-Brecht-Archives zur Verfügung stehen, haben wir in der Wohnung bestaunt.

Das große Arbeitszimmer, eine Tür weiter, hatte im rechten Teil des Raumes ebenfalls ein Bücherregal, einen runden Tisch mit drei Stühlen, einer Couch und einer Lampe. In der Mitte des Tisches steht ein Aschenbecher in der Größe eines Tellers, denn Bertolt Brecht war ein leidenschaftlicher Raucher, was zu seiner Zeit noch völlig normal war. Ebenfalls stehen in diesem Raum weitere Tische, Lampen, Stühle, kleinere Bücherregale und ein Schreibtisch sowie erleuchten die zwei Fenster den Raum mit Sonnenlicht, was ihn eindeutig größer, als er schon ist, erscheinen lässt. Der linke Teil des Zimmers war mit einer Tür zu einem kleinen Raum verbunden, dem letzten der Wohnung von Brecht: Sein kleines Bett, woran man erkennen kann, dass Brecht mit seinen 1,67 m nicht sehr groß war, in dem er am 14. August 1956 um 23:30 Uhr starb.
Lange wurde angenommen, dass er an einem Herzinfarkt starb, jedoch hat er in seiner Kindheit an rheumatischem Fieber gelitten, was somit zeitlebens organische Beschwerden auslöste und welche letztlich zu einem Herzversagen führten.

Die zweite Etage des Seitenflügels bewohnte Helene Weigel. Heutzutage beherbergt sie das von ihr gegründete Bertolt-Brecht-Archiv. 1957 zog sie ins Erdgeschoss und ließ einen Wintergarten anbauen. Dieser hat viele Pflanzen und Holzmöbel, einen Kaffeetisch mit zwei Sofas und einen Tassenschrank mit verzierten Keramiktassen. Diese Einrichtung war für Helene Weigel eher untypisch, da sie immer eine minimalistische und dezente Persönlichkeit war. Weiter ging es zu dem alten Esszimmer der beiden, das von Helene Weigel nach Brechts Tod als Schlafzimmer benutzt worden ist. An das Bett wurde ein Tisch angebaut, sodass Weigel vom Bett arbeiten konnte, was sie sehr liebte. Das letzte Zimmer war die Küche, die Helene Weigel ebenfalls über alle Maßen mochte.

Im letzten Teil unserer Exkursion führte uns Frau Mnich auf den Dorotheenstädtischen Friedhof nebenan, wo wir die Gräber von Brecht und Weigel und von anderen bekannten Persönlichkeiten wie Dichtern, Ärzten sowie Architekten besichtigten. Die berühmtesten Gräber dort sind die der Philosophen Hegel und Fichte, die Brecht von seinem Wohnhaus aus sah und die ihm sehr wichtig waren.
Wir haben wieder einmal gesehen, in welch einer geschichtsträchtigen, wunderschönen, großen, bunten Stadt wir leben.

Text: Nele Schneider, Kl. 10a


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