Deutsch

Lessings "Emilia Galotti" - neu verpackt

Wieder mal Chaos bei der BVG. Zu spät erreichten deshalb etliche Schüler der beiden Deutschgrundkurse des 2. Semesters von Frau Mnich den Prater, den ersten Akt hatten sie verpasst.

Begrüßt wurden sie vom edlen Prinzen und seinem Vertrauten Marinelli, die hatten jedoch nur ein paar hämische Witze für die Zuspät-Kommer übrig, stellten sich kurz vor und verschwanden wieder. Nun begann auch für die Unpünktlichen das Stück.

Das recht einfach gehaltene Bühnenbild wurde von den Figuren gefüllt. Nicht nur metaphorisch, jede Ecke der Bühne war genutzt. Auf an den Seiten montierten Treppen stieg man hoch und runter, durch eingebaute Türen kletterten die Schauspieler, ja Bewegung war im Spiel, manchmal so viel, dass es schwer war, dem Geschehen zu folgen. Diese Unruhe unterstrich aber auch hervorragend die emotionsgeladene Darbietung. Die schauspielerische Leistung war wirklich zu loben, die Ohrfeigen, die verteilt wurden, sahen schmerzhaft aus, das muss man sagen. Besonders Marinelli und die Interaktionen zwischen ihm und den Prinzen waren Highlights des Stücks. Hier fiel auch auf, dass im Gegensatz zu Lessings düsterem Trauerspiel das werkgetreu gespielte Stück mit einem Fünkchen Humor versehen war. Wenn Marinelli versuchte herauszufinden, wie oft er "ich gehe" wiederholen konnte, bevor es unlustig wurde, um dann eine Sekunde später wieder auf die Bühne zu treten, hat es bei dem ein oder anderen wenigsten ein kleines Schmunzeln hervorgebracht.

Diese Auflockerungen waren natürlich auch mit dem jüngeren Zielpublikum in Verbindung zu bringen. Jedoch steht das mahnende 16+ nicht ohne Grund auf den Werbeplakaten, einige Szenen wirkten für manche Schüler doch etwas verstörend und einfach zu viel. Wenn Emilia ein gekochtes Ei vom Prinzen in den Mund geschoben bekam, wirkte das schon ein wenig pervers.

Alles im allen ist die Fassung der "Emilia Galotti" eine gelungene moderne Inszenierung, aber nichts für schwache Nerven. Für Kenner und auch solche, die das Drama nicht gelesen haben, ist die Aufführung des Theaters an der Parkaue durchaus weiter zu empfehlen.

Verpassen Sie aber Ihre Bahn nicht.

John Lingsminat

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