Darstellendes Spiel

Der undeutliche Traum vom Glück

E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“ in einer Aufführung des Grundkurses "Darstellendes Spiel"

Der DS-Kurs unter der Leitung von Frau Schenk wagte sich an den „Sandmann“, ein viel gelesenes, aber schwieriges und abgründiges Werk des dunklen Romantikers E.T.A Hoffmann und brachte letzten Freitag (02.03.13) in der Max-Taut-Aula mit Schülerinnen und Schülern der 12. Klasse die Erzählung in einer Bühnenfassung zur Aufführung.

 

Als Ernst Theodor Amadeus Hoffmann seine wohl bekannteste und abgründigste Erzählung verfasste, sollte es noch nahezu ein Jahrhundert dauern, bis Sigmund Freud mit seiner Psychoanalyse unser Bild vom Menschen grundlegend verändern würde. Und doch bilden übermächtige, nur halb verdrängte Bilder aus der Kindheit, allgemeiner: die Abgründe der Seele den Dreh- und Angelpunkt von Hoffmanns „Sandmann“.

Wenn sich hier Erinnerungen, Ängste, Hoffnungen und verzweifelte Erklärungsversuche zu einem undurchdringlichen, kaum verstehbaren Geflecht verschlingen, wird der Leser Zeuge eines erbitterten Kampfes zwischen Verstand und Fantasie, Künstlertum und bürgerlicher Normalität, schließlich einer Schlacht um Leben und Tod, seelischer Gesundheit und Wahnsinn. Am ihrem Ende bleiben nur Verlierer zurück, in ihrer Mitte ein zerbrochener Held.

 

Das starke Ensemble, bestehend aus Fabian Schwarze in der tragenden Rolle des Nathanael, Greta Korte, Laura Stephan und Ilma Sehic in Rollen des Sandmanns und der Eltern, ferner Melanie Schulze und Hanni Lorenz als Klara und Olimpia, zeigte keinen falschen Respekt vor der fast 200 Jahre alten Textvorlage. Mit Hilfe von aufwändig choreografierten Tanz- und Musikeinlagen und der expressiven Lichtregie unter Tom Arnold verwandelten die Akteure den Kampf des Nathanael gegen seine inneren Dämonen in ein streckenweise hypnotisches, in elektronische Klänge getauchtes Schauspiel.

Fabian Schwarzes facettenreiches Spiel machte bis in die grotesken Gesten und Zuckungen seines Körpers klar, wie aussichtslose Nathanaels Kampf um inneren Frieden ist, und wie brüchig die immer nur für Momente erreichte Fassade von Normalität und Liebesglück: Dann, wenn die Liebe real scheint, droht sie zum spannunglosen Klischee zu werden, dort, wo sie ungestüme Macht und Leidenschaft entfaltet, wie im Angesicht der mysteriösen Olimpia, verwandelt sie sich in eine abgründige Projektion von Nathanaels eigenem Inneren. Die Erkenntnis hierüber lässt ihn zerbrechen.

Wie auch in Hoffmanns Textvorlage ließ die Inszenierung des DS-Kurses die Frage offen, inwieweit sich die Macht des Bösen, die in Nathanaels Leben hereinbricht, real ist oder nur in seiner Einbildung existiert. Im Gegensatz zu der verbreiteten natur- und gefühlsseligen Sicht der Romantik eine überaus moderne Frage, mit der Hoffmann und andere Romantiker ihrer Zeit gedanklich weit vorausgeeilt waren...

Die Aufführung bildet - zusammen mit einer weiteren Inszenierung (Welcome to paradise - 9.03.2013, selber Ort) - den Schlusspunkt der Kursarbeit dieses Jahrgangs, die Schülerinnen und Schüler legen in den kommenden Monaten ihre Abiturprüfungen ab.

Es ist zu hoffen, dass die kommenden Jahrgänge mit ähnlich interessanten Inszenierungen aufwarten und den Stellenwert des Faches DS an unserer Schule in gleicher Weise unter Beweis stellen.

 

Text und Fotos: Herr Schürlein

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