Darstellendes Spiel

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

„Lehnen Sie sich zurück, lassen Sie sich überwältigen, geben Sie ihre Sorgen an der Garderobe ab und legen Sie ihren Verstand in unsere Hände, wir werden ihn sicher verwahren, bis Sie unser Café wieder verlassen, falls Sie das jemals vorhaben..."

Mit einer Zeitreise in die 20er Jahre fesselte uns der Darstellendes-Spiel-Kurs 12/13 erneut mit einem mitreißenden Theaterstück.

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Am Freitag den 24. Februar 2012 kamen wieder Schüler, Lehrer, Eltern und Theaterliebhaber in der Max-Taut-Aula zusammen, um dem vom Kurs selbstgeschriebenen Stück „La Rêverie – Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ unter der Leitung von DS-Lehrerin Anne Schenk beizuwohnen.

Mit französischem Akzent begrüßt ein Conférencier das Publikum. Wir tauchen ein in ein Café der 20er Jahre. In der folgenden Stunde treten zwischen Gefühlschaos und Amaretto die Goldenen Zwanziger mit all ihren Facetten ins Rampenlicht. Ob nun die Charleston tanzenden Girls in ihren Glitzerkleidern oder die „Ich wollt ich wär ein Huhn“ trällernden Comedian Harmonists, das exzessive Vergnügen dieses Zeitalters ist allgegenwärtig. Doch neben Musik und Tanz bleibt vor allem die Literatur nicht unbeachtet. Der die 20er Jahre prägende Geist des Bertold Brecht ist ebenso spürbar, wie die junge Mascha Kaléko zu Gast im Café „La Rêverie“ ist. Der heiter-melancholische Ton ihrer Gedichte untermalt die Lebenswelt der kleinen Leute, die hier ihre mehr oder minder großen Probleme des Alltags wie zuvor wir an der Garderobe abgeben und diesem wenn auch nur für kurze Dauer entfliehen. Einhergehend mit Vergnügen und Genuss werden wir ebenso mit den Schattenseiten dieses Jahrzehnts konfrontiert. Während der sich in Deutschland entwickelnde Nationalsozialismus hier noch größtenteils auf Ablehnung stößt, ist das sich amüsierende Volk dem Rausch der Modedroge der wilden Zwanziger, dem Kokain, schon längst verfallen.

Durch großartige Dialoge, die durch die wunderbaren schauspielerischen Leistungen zum Tragen kommen, taucht man vollends in eine längst vergangene Zeit ein. Nur schwer reißt man sich nach einer viel zu kurzen Stunde wieder von der Vergangenheit los und lässt sich nur ungern von der Realität einholen. Kulisse und Kostüme, die unter anderem vom Förderverein unserer Schule unterstützt wurden, ergänzen nur optisch, was die Schüler durch Wortwitz und zeitgemäße Literatur bereits in unseren Köpfen entstehen lassen haben, ein authentisches Bild der Goldenen Zwanziger.

Mit etwas Wehmut in der Stimme bedankt sich DS-Lehrerin Anne Schenk nach dem mehr als gelungenen Stück bei ihrem Kurs für die tolle Zusammenarbeit. „La Rêverie“ ist ein würdiger Abschied der Schüler.
Fast möchte man dem Angebot des Conférenciers zu Beginn nachkommen, einfach sitzenbleiben und seine Sorgen an der Garderobe zurücklassen…

Text: Luise Ciesla, Klasse 13 

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