Schulkonzerte

Kammermusik trifft Gewandhaus

„Dieses Jahr geht es nach Leipzig. Ins Gewandhaus.“ …

Das ist weiter weg als die Philharmonie. Das ist groß. Und ziemlich bekannt. Ganz im Gegensatz zu uns. Wir passen nicht mit dem Gewandhaus zusammen. Sind weder groß, noch berühmt. Als Kammermusik das kleinste Ensemble des Coppi Gymnasiums.

 

Und wir dürfen dort hin? Auf dieser riesigen Bühne stehen? Da verschwinden wir doch!

Wären wir wahrscheinlich auch, wenn in den Wochen in der Vorbereitung nicht trotz allen Komplikationen immer und immer wieder geübt worden wäre. Es ist gar nicht so einfach, die Termine von 5 Schülern mit denen von Frau Medwinskajas zu koordinieren. Vor allem, wenn die Querflöte gar nicht mehr an unsere Schule geht und der Pianist mitten in den Abiturvorbereitungen steckt. Doch was muss, muss eben und so wurde die Musiketage 1-2 Mal in der Woche auch nach 17 Uhr noch zum Probenort.

Ich bin froh, dass der Termin so spät liegt und wir nicht in die Verlegenheit geraten, jemanden erklären zu müssen, warum genau es wichtig ist, sich „hässlich-drollige grüne Gnome, die erst gestreichelt werden und dann gegen einen Baum rennen“ vorzustellen, während man beispielsweise einen Tanz von Edvard Grieg spielt. Bergkristallwiegen, verquere Liebesgeschichten „Aerobic dance“ - von Standardunterricht kann nicht die Rede sein. Seitenquietschen, falsche Akkorde, kaputte Klarinettenblätter- das gehört alles dazu, kann nicht verhindert werden. Ist aber auch schon viel weniger geworden. Genau wie die Erklärungen, wie was gespielt werden soll. Wo am Anfang unseres Zusammenspiels 10-minütige Erläuterungen, viel Körpereinsatz und rhythmisches Klatschen nötig waren, reicht jetzt oft ein Satz oder eine Handbewegung. Wir wachsen zusammen. Hörbar.

Dabei wurde Cello gegen Bratsche, Pianistin gegen Pianist, Geige gegen andere Geige getauscht. Ein ständiges Kommen und Gehen. Konstant bleibt abgesehen von der Leiterin eigentlich nichts. Und vielleicht der Tatsache, dass neben obligatorischem Frühlings- und Weihnachtskonzert einmal im Jahr ein weiterer außerschulischer Auftritt ansteht. Normalerweise findet der in der Philharmonie, im Rahmen des Projekts „Grieg in der Schule“ statt.

Anlässlich des 20. Jubiläums der Veranstaltung zogen wir jedoch zusammen mit Schülern aus Norwegen, der halben Republik und Japan an den Studienort des Komponisten um: Leipzig. Schleichende Aufregung wird von dem Erstaunen überdeckt, dass wir in einem Bus für geschätzte 60 Leute sitzen. „Die kleine Variante befindet sich gerade in Reparatur“, erklärt uns der Busfahrer. Ein Herz für den Klimaschutz. Und für unseren Einspielraum im Gewandhaus, zudem sogar eine Dusche gehört. Nicht übel, für ein Laienensemble. Da kriegt man so ein bisschen Wind davon, wie es wohl sein mag, später zu den Musikern zu gehören, deren zu Hause große Bühnen sind. Ich werde definitiv nicht dazugehören. Zu viel Lampenfieber, schwitzende Hände, zu viele Menschen, die einen anschauen. Die letzten paar Minuten vor unserem Auftritt. Ein Traubenzucker. Worte, die Mut machen sollen. Und dann raus auf die Bühne.

6:21 min. Schneller vorbei, als gedacht. Weites gehend alles Wichtige umgesetzt. Zufrieden, erledigt.

Ein Erinnerungsfoto wird geschossen, die Urkunde entgegengenommen.Und wir steigen zurück in den Bus, der uns an der Schule absetzt.

Wir waren nur einen Tag weg. Und sind doch ein bedeutendes Stück weiter gekommen.

 

Johanna Schulze

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