Projekttage

Stolpersteine

Um den Ort, an dem man lebt oder zur Schule geht, zu verstehen, ist es wichtig, seine Geschichte zu kennen.

Nichts ist schlimmer als kollektives Schweigen. Glücklicherweise gibt es immer wieder Menschen und Initiativen, die sich der Geschichte stellen und es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Verbrechen der Nazidiktatur vor Ort zu benennen. Die Deportationen, als Folge der durch die Pogromnacht vom 9.November 1938, fanden vor Ort statt, die Menschen hatten eine Wohnung und einen Namen. Dies macht die Aktion „Stolpersteine“ sichtbar.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig stellte das Projekt STOLPERSTEINE 1993 erstmals der Öffentlichkeit vor: Die Stolpersteine sind Betonwürfel in der Größe 10 cm x 10 cm x 10 cm, mit einer darauf verankerten Messingplatte. Auf dieser wird der Name eines NS-Opfers eingehämmert. Die Steine werden dann vor den Häusern verlegt, in denen jene Menschen gelebt oder gearbeitet haben.

1997 wurden die ersten Steine in Berlin-Kreuzberg verlegt. Bis Ende 2007 wird Gunter Demnig 13000 Stolpersteine eingesetzt haben. Der Künstler selbst bezeichnet sich als "Spurenleger". Es ist für ihn wichtig, dass das Gedenken in unsere Lebensmitte gerückt wird und Erinnerungsmale nicht weitab liegen. Wie oft besucht der Durchschnittsbürger schon eine Gedenkstätte? Aber wenn das Auge über einen messingfarbenen Stein im Bürgersteig stolpert, da schauen viele genauer hin. "Paten geben mir Kraft weiterzumachen - trotzdem kann es nur eine symbolische Arbeit bleiben", so Gunter Demnig.

Am 4. Oktober 2005 wurde Gunter Demnig für das Projekt STOLPERSTEINE der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland durch Bundespräsident Horst Köhler verliehen.

In der Projektwoche des Coppi - Gymnasiums im Schuljahr 2006/07 widmete sich eine Schülergruppe dem Thema „Stolpersteine für Karlshorst“. Unterstützt durch den Verein Licht-Blicke e. V., wurde zu den Lebensläufen von vier von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mitbürgern aus Karlshorst gearbeitet. Theaterszenen wurden entworfen und einstudiert, die die Ängste und Nöte der jüdischen Nachbarn anrührend zum Ausdruck brachten.

Am Sonntag, dem 16. September 2007, wurden in  Karlshorst 24 Stolpersteine eingeweiht. Schüler der Schule verlasen auf einem Rundgang die Lebensläufe der ermordeten Mitbürgerinnen und Mitbürger vor ihrer letzten Karlshorster Wohnung. Die Abschlussveranstaltung fand am Nachmittag in der Ev. Kirche zur Frohen Botschaft in der Weseler Str. statt. Dort wurden 24 Namen verlesen, unterbrochen von Klagespsalmen aus der Thora. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch ein Violinstück, das eine Schülerin spielte. Ihr Vater hatte dieses extra für diese Veranstaltung komponiert.

 

Mir ging ein Gedanke immer wieder durch den Kopf: Was mögen die Nachbarn in der Stolzenfelsstr. 2 nur gedacht haben, als die Hamburgers das Haus mit einem Koffer zum letzten Mal verließen und der örtliche NSDAP-Führer in die Wohnung einzog...

Weitere Informationen unter:
www.stolpersteine.com
http://www.licht-blicke.org/

N. von Neumann

Bearbeiter-Login