Exkursionen

Exkursion zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Schwarzer Schotter, große Bäume, die Sonne scheint. Unter unseren Füßen knirscht der Boden, irgendwo in weiter Ferne singt ein Vogel.

Trotz dieser Idylle, habe ich Gänsehaut. Am Anfang fällt es mir schwer meine Eindrücke zu sortieren. Wir stehen bei strahlendem Sonnenschein in einer gepflegten Anlage, doch es ist einer der Orte, wo vor 70 Jahren grausam Geschichte geschrieben wurde. Das Stammlager des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück ist heute zur Mahn- und Gedenkstätte geworden. Dort wo früher Häftlingsbaracken standen, sind heute Negativabdrücke im Schotterboden. Gegen Ende des Krieges waren dort bis zu 600 Häftlinge untergebracht, das wären alle Schüler unserer Schule in jeder einzelnen Baracke. Dieser Gedanke sprengt meine Vorstellungskraft. Die Grausamkeiten, die hier vor 70 Jahren an der Tagesordnung waren, lassen sich nur erahnen. Während wir durch den ehemaligen Verwaltungstrakt und den sogenannten Bunker laufen, ist ein gewisses Unwohlsein stets präsent. „Da drüben könnt ihr euch noch das Krematorium anschauen.“ Daraufhin folgt für wenige Momente eine Stille, die mich erschaudern ließ. (Ich kann mich nicht erinnern meine Klasse schon einmal so ruhig erlebt zu haben.)

Für zwei Minuten stehen wir alle an dieser ersten Gedenkstätte, am wunderschönen Schwedtsee und wissen noch nicht so recht wohin mit uns. Ich lasse meinen Blick über den See schweifen und erkenne die Silhouette von Fürstenberg an der Havel und als könnte der Unterschied zwischen Idylle, Grausamkeit und Schönheit nicht groß genug sein, steht der Kirchturm mit einem der Schornsteine des Krematoriums in einer Line.

Beim Verlassen der Mahn- und Gedenkstätte blicke ich noch einmal auf das Haus des Lagerkommandanten und die Häuser der Aufseherinnen. Mir stellt sich die Frage, was diese Menschen dazu bewegen konnte bei so einer Abscheulichkeit mitzuwirken. Auf dem Rückweg haben ich das Bedürfnis mich über meine Eindrücke auszutauschen. Über ein dreistöckiges Bett, in dem bis zu 15 Häftlinge schlafen mussten, die Einheitskleidung, die Zwangsarbeit, einfach über das Leben der Frauen im Lager.

 

Text: Viviane Olbrich 10b

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