Coppi forscht / musiziert

Rückblick auf das Abimusical

Jetzt ist die Aufführung unseres Musicals „2012 – Rette sich, wer kann!“ schon fast zwei Monate her. Und wie es scheint, hat es den Menschen im FEZ gefallen, worüber wir äußerst glücklich sind.
Denn  als wir vor etwa einem Jahr mit den ersten Überlegungen und Vorbereitungen anfingen, hätten wir uns das kaum vorstellen können. Jahrelang hatten wir die Musicals vorhergegangener Abiturjahrgänge bewundert und es erschien uns fern und unwirklich, ein derart umfangreiches, komplett selbstgeschriebenes Stück auf der großen FEZ-Bühne aufgeführt zu sehen. Die Idee, ausgerechnet den Weltuntergang zum Mittelpunkt der Handlung zu machen, kam uns jedoch schon sehr früh und begeisterte uns, weil sie die Möglichkeit bot, ein eigentlich düsteres und deprimierendes Thema ins Komische und völlig Absurde zu verzerren. Das Drehbuch, das Moira und ich schrieben, bot also eine herrliche Fläche für unsere albernsten und abstrusesten Einfälle. In der Hoffnung, dass das Publikum unseren merkwürdigen Humor teilen würde, bauten wir skrupellos alles ein, was wir lustig fanden. Es hat unglaublichen Spaß gemacht, unseren Schreibstil und unsere Interpretation des Themas so frei ausleben zu können. Dennoch war das Skript immer ein Gemeinschaftsprojekt des Kurses, da wir alle zusammen das Grundgerüst der Handlung entwickelten und alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam trafen.
Wir hatten meistens schon sehr konkrete Vorstellungen davon, wie die Szenen auf der Bühne aussehen sollten und wie die einzelnen Rollen gesprochen und gespielt werden sollten. Beim Schreiben des Drehbuchs hatten Moira und ich auch eigentlich schon eine bestimmte Besetzung vor Augen, letztendlich sah die Rollenverteilung aber völlig anders, und, wie sich bald herausstellte, auch viel besser aus. Es hat mich generell begeistert, welche ungeahnten Talente und Fähigkeiten, kreativ, schauspielerisch, musikalisch und tänzerisch, wir im Entwicklungsprozess des Musicals an uns selbst und aneinander entdeckt haben.
Als mit dem Drehbuch die Grundbausteine des Musicals also feststanden, stand der Großteil der Arbeit jedoch noch vor uns. Rollen mussten geprobt, Musik komponiert und ausgewählt, Tänze arrangiert, Requisiten gebaut und Leinwandeinspielungen zusammengestellt werden. All das stellte wesentlich mehr Aufwand dar, als wir zunächst gedacht hatten und war oft sehr stressig und anstrengend, vor allem angesichts der Tatsache, dass wir uns gleichzeitig auf Klausuren und am Ende auch auf unsere ersten Prüfungen vorbereiten mussten. Nachmittage und Wochenenden wurden mit dem Bau einer riesigen Papprakete, dem Schneidern von Verschwörerumhängen oder dem Proben einer Tanzchoreographie mit den Siebtklässlern verbracht. Die musikalischen Proben und das Einstudieren der Texte fanden unter der Leitung von Herrn Bösel während der Unterrichtszeit statt.
Im Laufe dieser Monate war es faszinierend, zu beobachten, wie das Musical langsam Form annahm, sich veränderte und verbesserte. Viele Elemente kamen erst in den finalen Wochen vor der Aufführung neu hinzu oder wurden verändert oder entfernt, einige Pläne mussten kurzfristig umgeworfen oder neu überdacht werden. Das sorgte dafür, dass wir uns in den letzten Tagen und Wochen definitiv nicht langweilten – es brach sogar teilweise eine gewisse Panik aus. Ich persönlich hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein festes „Gefühl“  dafür, wie gut oder schlecht unsere Aufführung werden würde. Der Zeitdruck und die eigenen Erwartungen waren hoch, aber da wir Aufgaben und Verantwortlichkeiten effektiv verteilt hatten, lief letztendlich doch alles besser und entspannter als erwartet. Erst an den letzten beiden Probetagen stellte sich eine gewisse Sicherheit, eine optimistische Vorfreude auf das Musical bei mir ein. Die letzten Stunden vor der Aufführung am 20. März waren natürlich trotzdem der reine Horror. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, wann ich jemals so schrecklich nervös gewesen bin, und ich denke, so ging es uns wohl allen. Als wir dann die ersten Zuschauer den Saal betraten und wir unsere Freunde, Familienmitglieder und Lehrer erkannten, waren wir wahrscheinlich einer Gruppenhysterie schon relativ nahe. Aber als wir erst einmal angefangen hatten, war jegliche Angst vergessen. Von Anfang an lief eigentlich alles, wie es laufen sollte, und einiges noch wesentlich besser.
Der wahrscheinlich schönste Moment für mich während der Aufführung war, hinter der Bühne die ersten Lacher aus dem Publikum zu hören, und erleichtert zu denken: „Sie mögen es! Sie finden es gut!“. Mitzuverfolgen, dass plötzlich Dinge funktionierten, die vorher nie geklappt hatten, und zu sehen, wie jeder Einzelne sein Bestes gegeben hat, war absolut motivierend und hat das Musical zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht.
Im Nachhinein sind wir alle, denke ich, unglaublich stolz  auf unseren Kurs, und alle wunderbaren Leute, die mitgeholfen haben. Ich für meinen Teil hätte nie gedacht, dass alles so gut läuft, wie es gelaufen ist. Ich erinnere mich sogar noch, wie ich ein paar Wochen vor der Aufführung noch befürchtete, das Ganze würde eine absolute Katastrophe. Ist es aber nicht. Deshalb an dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön an alle, die außer uns ein Teil diese Musicals waren, die tanzenden und grölenden Lehrer, besonders natürlich Herrn Bösel, die ebenfalls tanzenden, jedoch nicht grölenden Siebtklässler, die Techniker, engagierte Eltern und Freunde und natürlich, das Publikum. Es hat wirklich wahnsinnigen Spaß gemacht.


Jette- Marie Mielke

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