Archiv 2016

Festakt am 25. Januar zu Ehren des 100. Geburtstages von Hans Coppi

Den vergangenen Montag, den 25. Januar, nahm unsere Schule zum besonderen Anlass, des Mannes zu gedenken, der im Widerstand gegen das Nazi-Regime sein Leben aufs Spiel setzte und letztlich früh verlor: Hans Coppi.

In der Aula der Schule begingen Schüler und Lehrer, sowie einige besondere Gäste, darunter der Sohn unseres Namensgebers, den 100. Geburtstag Hans Coppis. Sich an die düstersten Zeiten unseres Landes zu erinnern, kann bisweilen zu einer didaktischen Veranstaltung geraten, diese Gefahr drohte beim Festakt an unserer Schule jedoch keineswegs, dafür sorgte neben dem Rahmenprogramm aus musikalischen Darbietungen und Rezitationen durch unsere Schüler vor allem die Anwesenheit und die bewegende Rede unseres Ehrengastes, Dr. Hans Coppi Junior. Mehr als die bloße Tatsache, dass Dr. Hans Coppi Sohn von im Widerstandskampf umgekommenen Eltern ist, sind es die erschütternden Umstände seiner Geburt, die während der bewegenden Rede Hans Coppis klar werden ließen, dass hier nicht einfach ein Festredner, sondern ein lebender Zeitzeuge vor uns stand, jemand, der am eigenen Leibe - durch frühen Verlust beider Eltern - die unseligsten Jahre unseres Landes durchlebte. Und so ließ Herr Dr. Hans Coppi die Geschichte seines Vaters und seiner Mutter noch einmal vor uns Zuhörern lebendig werden: Die Wurzeln im kommunistisch geprägten Elternhaus, die Schulzeit mit den Jahren in der Schulfarm Scharfenberg, der Schulverweis in Folge seines frühen Einstehens für die eigenen Überzeugungen. Dann die Teilnahme an illegalen Plakat- und Flugblatt- Aktionen, das schrittweise folgende Abtauchen in den Untergrund als Flucht vor der Verfolgung. Dann schließlich die Inhaftierung im KZ, in der JVA, schließlich die Begegnung mit Hilde Rake, seiner späteren Frau. Neben der gemeinsamen Arbeit für die Rote Kapelle, dann die so kurze gemeinsame und glückliche Zeit, schließlich im Herbst 1942 die Inhaftierung beider. Hilde Coppi, wie sie nun hieß, war bereits schwanger und musste ihren Sohn, unseren Gast, dann im November 1942 im Berliner Frauengefängnis zur Welt bringen. Hans Coppi, der Vater, sah Hans Coppi, seinen Sohn, nur ein einziges Mal, bevor er am 22. Dezember 1942, rund einen Monat vor seinem 27. Geburtstag, im Strafgefängnis Plötzensee hingerichtet wurde.

 

Wie auch Frau Kähler als Repräsentantin der Schulleitung in ihrer Rede nahm auch Herr Dr. Hans Coppi die Verfolgung seines Vaters und seiner Mutter zum Anlass, dieses geschichtlichen Ereignisse mit der Verfolgung der Flüchtlinge  - also mit einem der dringendsten Themen der Gegenwart - zu verknüpfen und mahnend daran zu erinnern, den Verfolgten der Gegenwart nicht aufgrund von Ressentiments Hilfe und Unterstützung zu versagen.

Schülerinnen und Schüler unserer Schule würdigten den Anlass durch ihre musikalischen Darbietungen, die das musikalische Profil unserer Schule beeindruckend demonstrierten. Beispielhaft genannt sei hier das Duett Thomia Erhardt (am Fagott) und Lukas Theise (am Klavier), die den 1936 komponierten "Récit Sicilienne" durch ihr erstaunlich ausdrucksstarkes und nuanciertes Spiel zu einer faszinierenden Darbietung machten. Aber es waren auch die dem Anlass gemäß sorgfältig ausgewählten Texte von Johannes R. Becher, Heinrich Heine, und dem letzten Brief von Hans Coppi an seine Frau, die aus dem offiziellen Festakt immer wieder eine sehr persönliche und berührende Veranstaltung machten.

Unser aller Dank gebührt neben Herrn Dr. Hans Coppi und seiner Frau allen Rednern und Musikern, Frau Mnich, die mit großem Einsatz diesen Tag organisierte und möglich machte. Nicht ungenannt seien jedoch zwei weitere und durchaus besondere Gäste, die sich die Zeit nahmen, an diesem Montag unsere Schule zu besuchen: Beide müssen sich die durch ihre Familiengeschichte zwangsläufig und ganz besonders mit Dr. Hans Coppi verbunden fühlen: Zum einen Frau Prof. Dr. Müller- Plantenberg, Tochter des 2 Jahre nach Hans Coppi hingerichteten Widerstanskämpfers Adam von Trott, sowie Herr Stefan Roloff, dessen Vater Helmut Roloff wie Hans und Hilde Coppi in der Widerstandsgruppe der Roten Kapelle kämpfte. Anders als die meisten Mitstreiter der Roten Kapelle - auch er war in Plötzensee inhaftiert - entging er jedoch der Hinrichtung und verstarb erst 2001 (alle drei: siehe Foto). Unserer Schule bedankt sich an dieser Stelle noch einmal herzlich, diese besonderen Gäste - allen voran Herr Dr. Hans Coppi - bei uns haben zu dürfen.

(BeSchue)

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