Archiv 2009
 

Tschüss, Herr Thomalla!

Von einem edlen Ross, das auf dem Schulhof stand und großes Aufsehen erregte ...

 Kurz vor den Winterferien hat das Kollegium den Sportlehrer Herrn Thomalla, 65, in den Ruhestand verabschiedet. Zu diesem Anlass sang der Kammerchor "Kann den Liebe Sünde sein?" und zwei Schüler des 13. Jahrgangs (Arne Grothkopp und Max Preuß) hatten ebenfalls eine besondere Überraschung vorbereitet. Im Scherze erwähnt und von den beiden aufgegriffen, wurde Thomallas Wunsch, an seinem letzten Schultag hoch zu Ross über den Schulhof zu reiten, in die Tat umgesetzt. Begleitet von einer sehr ergreifenden Abschiedsrede:

"Liebe Schüler, liebe Lehrer, Herr Thomalla - Ja, ein etwas ungewohntes Bild

Viele von euch fragen sich wahrscheinlich jetzt, warum zum Teufel Herr Thomalla auf 'nem Pferd sitzt und wie man eigentlich auf so eine hirnrissige Idee kommen kann, oder?

Wollt ihr die Geschichte hören?

Es war einmal wieder einer dieser wunderschönen Mittwochnachmittage, an denen Max und ich zu faul waren, allein mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Fußballturnhalle zu fahren. Also fragten wir Herrn Thomalla, ob er uns nicht in seinem tiefergelegten, Felgen verchromten, grauen Nissan Amera mitnehmen könnte... Nun fuhren wir dort so die Rhinstraße entlang, Ellenbogen aus dem Fenster, mit 30 km/h auf dem Mittelstreifen, aus der 20-Zoll-Bassrolle in seinem Kofferraum dröhnten die Bässe von KIZ... Ja und da saßen wir nun und redeten über die typischen Themen, über die man mit Herrn Thomalla halt redet: Quantenphysik, die Relativitätstheorie, Globalisierung und natürlich über Fußball, alte NVA-Zeiten und Frauen. Aber schließlich kamen wir auf das Thema, was er denn an seinem letzten Schultag gerne machen würde. Daraufhin antwortete er uns in seiner unvergesslichen Herr-Thomalla-Art, dass er doch gerne mal mit einem Pferd über den Schulhof reiten würde.

Kurze Stille, lautes Lachen, Themawechsel, zurück zur Quantenphysik.

Aber Max und ich schauten uns dann gegenseitig an. Wir beide hatten dieses Feuer in den Augen, das förmlich schrie: Max! Arne! Max? Arne? Lass es uns tun! Wir können diesem Mann, der uns so viele wichtige Lebensweisheiten wie zum Beispiel, dass man aus Scheiße Bonbons machen kann, seinen Wunsch nicht verwehren. Doch nicht nur seine Weisheiten und Anekdoten waren Gold wert. Er zeigte uns zum Beispiel auch, wie man eine 4-Kilo-Kugel mit der perfekten Perry O'Brian Technik auf 9 Meter stößt.

Aber mal Spaß bei Seite. Dieser Mann war für mich immer ein Phänomen: Ich habe mich immer gefragt, wie man in diesem Alter noch so gut aussehen kann, wie man aus den Ohren pfeifen kann, aber auch, wie man es in jeder einzelnen Stunde schafft, dass Schüler allen Alters mit einem Lächeln den Unterricht verlassen. Besonders beeindruckt haben Sie mich aber in den letzten Jahren, wo Sie trotz privater und gesundheitlicher Probleme mit der gleichen positiven Einstellung in den Unterricht gegangen sind wie eh und je. Das fand ich beachtlich und deshalb hoffe ich, wir konnten Ihnen mit der Aktion auch ein Lächeln aufs Gesicht bringen. Im Namen von Max und mir, den Schülern und den Lehrern wünschen wir Ihnen noch viel Glück.

Dankeschön, meine Damen und Herren: Herr Thomalla!"

(Rede: Arne Grothkopp)

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